Blütenbummler im Garten: Wie wir Wildbienen unterstützen können

Viele Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, um Früchte zu tragen. Ohne Bienen und andere bestäubende Insekten müssten wir einige Lebensmittel von unseren Speiseplänen streichen. Besonders die Wildbienen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Angesichts der Bedrohung zahlreicher Wildbienenarten ist es von grosser Bedeutung, Massnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen. Dazu gehört der Erhalt heimischer Wildnis, das Bereitstellen eines reichhaltigen Angebots an Futterpflanzen sowie das Aufstellen von Nisthilfen und Sandinseln.

    Fakten über Wildbienen

    • Alle Bienen ausser der Honigbiene werden in der Gruppe der Wildbienen zusammengefasst.
    • Es gibt ca. 600 Wildbienenarten in der Schweiz.
    • Frisch geschlüpfte Wildbienen verlassen ihre Brutzelle meist genau nach einem Jahr und leben dann nur etwa 5–10 Wochen.
    • Die kleinste heimische Wildbiene, die Steppenbiene, ist 3 mm gross und die grösste, die Königin der Erdhummel, ist ca. 3.5 cm gross.
    • Die meisten Wildbienen leben solitär. Die Weibchen bauen ihre Nester alleine und versorgen die Brutzelle ohne die Hilfe ihrer Artgenossen.
    • Eine Mauerbiene hat eine Bestäubungsleistung von 80–300 Honigbienen.
    • Etwa drei Viertel aller Wildbienen bauen ihre Brutröhren in der Erde.
    • 45–50 % der Wildbienen sind auf der Roten Liste. 60 Arten (10 %) sind bereits aus der Schweiz verschwunden.

    Bienenfreundliche Pflanzen

    Im eigenen Garten kann durch die richtige Auswahl an Pflanzen ein vielfältiges Nahrungsangebot für viele Wildbienenarten bereitgestellt werden. Je vielfältiger umso besser. Vorzugsweise Pflanzen, welche zeitversetzt blühen. Denn so werden die Bienen nicht nur wenige Monate, sondern übers ganze Jahr mit Nektar und Pollen versorgt. Wildbienen sind schon im Frühjahr unterwegs und fliegen bis spät in den Herbst. Generell sind heimische Pflanzenarten zu bevorzugen. Lesen Sie zu diesem Thema auch unseren Gartenblog "Blütenreiches Insektenbuffet".

    Frühblüher

    Pulmonaria angustifolia 'Azurea' / Lungenkraut
    Das Lungenkraut ist ein Frühblüher und bildet seine farbenprächtigen Blüten schon im März aus. Das ist ideal für Mauerbienen, welche zu dieser Zeit aus ihren Kokons schlüpfen und sich sofort auf Nahrungssuche begeben. Es ist ein Anspruchsloser, dankbarer Frühlingsblüher mit blauen Blüten von März–April.

    Muscari armeniacum / Traubenhyazinthe
    Traubenhyazinthen sind wertvolle Nektarspender und eignen sich hervorragend dazu, den Mauerbienen morgens den ersten Energiecocktail zu servieren. Das Zwiebelgewächs in Blau, Weiss oder Rosa blüht von Februar–April und ist gut geeignet für Gefässe, Balkonkistchen oder Rabatten. Auch für Höhenlagen eignen sich Traubenhyazinthen.

    Prunus spinosa / Schwarzdorn
    Dieser einheimische Dornenstrauch ist ein ausgezeichnetes Vogelschutz­ und Nährgehölz, sowie sehr wertvoll für die Bienenweide. Er trägt weisse Blüten von März–April und blauschwarze Früchte im Herbst.

    Crataegus laevigata / Weissdorn
    Der Weissdorn ist ein einheimischer Grossstrauch mit weissen Blütendolden im Mai. Er gehört zur Familie der Rosengewächse. In Europa ist er weit verbreitet. Die dunkelroten, ungeniessbaren Steinfrüchte haften bis in den Herbst hinein an der Pflanze.

    Wildblumen für den Sommer

    Buphthalmum salicifolium / Ochsenauge
    Die unkomplizierte Wildpflanze ist vor allem für jene Wildbienenarten wichtig, die auf Astern spezialisiert sind. Denn das Ochsenauge mit seinen sonnengelben Blüten gehört zu den Asterngewächsen. Die gelben Blüten dieser einheimischen Staude erscheinen von Juni–September.

    Campanula persicifolia 'Grandiflora Coerulea' / Glockenblume
    Diese elegante Wildpflanze blüht von Juni–Juli. Die prächtig blauen Glocken stehen an langen Stielen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist die Blütenfarbe Blau, sie reicht von einem blassen Himmelblau bis zum dunklen Violett. Glockenblumen sind sehr beliebt bei Hummeln und Bienen.

    Echium vulgare / Natternkopf
    Der Natternkopf ist ein einheimischer Tiefwurzler für trockene Standorte und auch reine Kiesböden. Die Blüten sind zuerst rosa, dann blau von Juni–Oktober und werden von der ersten bis zur letzten Blüte von diversen Wildbienen besucht. Die Blätter sind rau behaart.

    Lythrum salicaria 'Robert' / Blut-Weiderich
    Der Blut-Weiderich hat sehr auffallende, intensiv purpurrote Blütenkerzen von Juli–September und hat einen starken, buschig aufrechten Wuchs. Er ist für feuchte bis normale Böden in Gewässernähe geeignet. Ideal für eine gute Bienenweide.

    Futter für die Bienen im Herbst

    Erfahren Sie in unserem Blog "Futter für die Bienen im Herbst", welche Pflanzenarten wir empfehlen, um den Bienen im Herbst Nahrung zu bieten.

    Was gibt es beim Kauf von Wildbienen-Nisthilfen zu beachten?

    Passend zur Nahrungsquelle kann eine Nisthilfe aufgestellt werden. Nisthilfen bieten eine schöne Beobachtungsmöglichkeit, um einige der ca. 600 heimischen Wildbienenarten kennen zu lernen. Wildbienen haben spezifische Anforderungen an Nisthilfen. Die Holzart, die Art der Bohrung und der Zustand des Nisteingangs sind entscheidend für das Wohlbefinden der Wildbienen, die in Hohlräumen nisten. 

    Das richtige Material
    Viele Nisthilfen werden aus ungeeignetem Holz hergestellt, was zu kleinen Rissen in den Löchern führen kann. Dadurch dringt Feuchtigkeit ein und Pilzbefall bedroht die Brut. Das verwendete Material sollte wasserdicht und von angemessener Dicke sein, um die Vermehrung von Parasiten in den Niströhrchen zu begrenzen. Empfohlene Materialien sind Schilf, spezielle Pappröhrchen und Hartholz. Ein Dach mit ausladendem Vorsprung bietet zusätzlichen Schutz gegen Feuchtigkeit.

    Sauber verarbeitete Röhrchen
    Wildbienen bevorzugen glatte Nisteingänge, durch die sie ohne Verletzungsgefahr hinein- und herauskrabbeln können. Gesplitterte und faserige Röhrchen werden von ihnen gemieden. Es ist wichtig, dass die Röhrchen hinten geschlossen sind, damit sich die Wildbienen sicher fühlen. Die Bohrtiefe sollte grundsätzlich so tief wie möglich sein, idealerweise ca. 10 cm.

    Grösse der Nisteingänge
    Der Durchmesser der Röhrchen sollte zwischen 3—9 mm liegen, um verschiedenen Arten (gross und klein) die Möglichkeit zum Nestbau zu bieten.

    Was vermieden werden sollte
    Für Wildbienen nicht geeignet sind Holzkästen, welche auch noch mit Tannenzapfen oder Schneckenhäusern ausgestattet sind. 

    Der richtige Standort nach dem Kauf
    Die Nisthilfe sollte mindestens 1 m über dem Boden und an einem trockenen, regengeschützten Ort platziert werden. Eine Ausrichtung Richtung Süden mit möglichst viel Sonneneinstrahlung wird empfohlen.

    Unsere Empfehlung für geeignete Nisthilfen:

    Natürliche Nisthilfen im Boden

    Eine weitere Möglichkeit besteht darin, eine Sandlinse in der Blumenwiese mithilfe von Wildbienensand zu schaffen, um eine natürliche Nisthilfe für Wildbienen zu bieten. Über die Hälfte der Wildbienenarten brüten im Boden, wobei der Anteil der bedrohten Arten hier um ein Vielfaches höher ist als bei den Arten, die von einer aufgestellten Nisthilfe profitieren können.

    Hier sind einige Tipps zur Gestaltung einer Sandlinse für Wildbienen:

    Standortwahl
    Der Standort sollte fern von stark wuchernden Pflanzen liegen und das Regenwasser muss gut abfliessen können. Zudem sollte die Stelle für die Pflege und spätere Beobachtung gut zugänglich sein. In der Nähe der Sandlinse sollten ausreichend Nektar- und Pollenquellen vorhanden sein, da Wildbienen oft nur kurze Strecken fliegen. Kleinstrukturen wie Asthaufen oder Hecken bieten versteckte Ruhe- und Übernachtungsplätze. Damit die Wildbienen aktiv in den Tag starten können, benötigen sie Wärme, sowohl für sich als auch für ihre Larven. Daher ist es wichtig, dass der Standort das ganze Jahr über Sonnenlicht erhält.

    Der richtige Sand
    Der verwendete Sand darf weder zu bröckelig noch zu lehmig sein. "Spielsand" aus dem Sandkasten ist ungeeignet, da er gewaschen und lehmfrei ist. Es ist empfehlenswert, speziellen Wildbienensand zu verwenden, der im Handel erhältlich ist. Dieser weist eine besonders feine Struktur auf, ist gut formbar und zudem auch pH-neutral.

    Bautipps
    Eine ausreichende Menge Sand ist entscheidend, da die Sandlinse im Laufe der Zeit absacken kann. Ein nachträgliches Auffüllen darf nicht erfolgen, da dies dazu führen kann, dass Wildbienen lebendig begraben werden. Eine optimale Sandlinse sollte eine Tiefe von mindestens 30 cm und einen Durchmesser von ca. 60 cm haben, um Platz für die Nestgänge aller Bienen zu bieten. Eine gute Drainage ist wichtig, um zu verhindern, dass die Nester bei starkem Regen überflutet werden. Die Sandlinse sollte nicht gerade abgeschlossen werden, sondern mit einer gut festgeklopften Kuppe von etwa 30 cm Höhe. Der Rand der Sandlinse kann beispielsweise mit Steinen, Baumstämmen oder Wurzelstöcken befestigt werden, um eine Erosion zu verhindern.

    Pflege
    Alle 1–2 mal pro Jahr (Frühling und Herbst) sollte auf allen Flächen Gräser und stark wuchernde Pflanzen vorsichtig von Hand entfernt werden.