Wir haben okuliert und gechippt (Span veredelt)

Bei uns wurden bei herrlichem Spätsommerwetter Aprikosen- und Rosskastanienbäume veredelt. Wichtig für eine erfolgreiche Veredelung sind zum einen der richtige Zeitpunkt, d.h. bei sonnigem und warmem Wetter im August, wo die Unterlage (Wildling) gut im Saft ist und die Rinde löst und zum anderen das präzise, saubere und schnelle Arbeiten.

Die Vorbereitungen für eine Veredelung beginnen bereits im Frühling mit dem Setzen einer geeigneten Unterlage, die speziell gutes Wurzelwerk besitzt, im Fall unserer Aprikosenbäume die Sorte St. Julien A, die jetzt okuliert wurde. Mittels Chip Budding (Span-Veredelung) veredelten wir gleichzeitig für einen Kunden Rosskastanien.

Beim Okulieren wird von einem Trieb ein hauchdünnes Rindenschild, das Edelauge, mittels T-Schnitt in die Unterlage eingesetzt. Beim Chip Budding hingegen wird ein ganzer Holzspan eingesetzt und die Unterlage und der Holzspan müssen zwingend gleich dick sein.

Wichtig beim Chip Budding ist, dass die Rinde auf die Rinde der Unterlage genau passt, denn dort ist das teilungsfähige Gewebe, das so zusammenwachsen kann. Die Schnittstellen müssen komplett sauber sein und dürfen nicht mit den blossen Händen berührt werden. Beim Okulieren wird an der Unterlage ein T-förmiger Einschnitt gemacht und auseinander geklappt. Das Edelauge wird nun mit dem Okuliermesser auf die aufgeklappte Rinde geschoben und bündig mit dem T-Stück abgeschnitten. Dann wird die Stelle mit Medifilm Veredlungsband verbunden.

Wenn das Edelauge im Herbst gut angewachsen ist und im Frühling sich ein kräftiger, junger Trieb gebildet hat, wird die Unterlage 20 cm darüber abgeworfen (abgeschnitten). Dann bleibt nur noch der sogenannte Zapfen stehen. Die jungen neuen Triebe werden mittels Bambusstäben zu Palmetten gezogen. Während der Wachstumsphase müssen dabei laufend Wildtriebe ausgebrochen werden. Während dieser Zeit werden die Pflanzen gedüngt und gegen Läuse und Pilzkrankheiten gespritzt.

Pflanzen mit zwei auf gleicher Höhe ausgetriebenen Ästen können im drauffolgenden Winter als einjährige Spalierbäume wurzelnackt verkauft werden. Okulanten mit nur einem kräftigen Trieb werden gekürzt, in Container gepflanzt und betreut, bis sie weitere starke Äste gebildet haben und so dann im drauffolgenden Frühsommer im Container verkauft werden können.

Diese beiden Veredelungsprozesse werden bei uns primär für Ausbildungszwecke durchgeführt. Unsere Lehrlinge erhalten durch die Praxisanwendung und die Pflege das nötige Rüstzeug für eine erfolgreiche Lehrabschlussprüfung. So werden die veredelten Pflanzen mithilfe unserer Lehrlinge und den Lehrlingsbetreuern während der ganzen Zeit gehegt, gepflegt und aufgezogen bis sie dann schliesslich in den Verkauf gelangen.